Ein ökonomischer Feminizid

+++ wir sagen: MothersToo / gegen Mütterarmut ! +++

Dass Frauen, sehr oft Mütter, sogar von kleinen Kindern, – nicht nur in Deutschland – einen  Feminizid erleiden, liest man jede Woche mehrmals in den Medien. Als brutalstes Symptom des Patriarchats. „ER ist nicht einverstanden, dass SIE geht“ ist der häufigste Fall, den SIE dann durch SEINE HAND mit IHREM LEBEN bezahlt. Jeweils finden sich genug Menschen, die finden, sie war selbst schuld und ER eigentlich ihr Opfer. Täter-Opfer-Umkehr ist das geläufigste Phänomen, das fast alle weiblichen Opfer an den Rand der Fassungslosigkeit bringt.

Weniger bekannt als physischer Feminizid sind der psychische und der ökonomische Feminizid.

(Ex)Männer, die SIE straffrei zerstören wollen, greifen zu diesen Formen. Der physische Feminizid wird häufig durch diverse, oft schwer nachweisbare Stalkingmethoden, aber auch durch plötzlich (nach Trennung) entdeckten väterlichen Verantwortungssinn eingeleitet. Last not least fallen IT-affinen Männern auch manchmal die Möglichkeiten des Internets ein.

Noch seltener hört man vom ökonomischen Feminizid. Er ist sozusagen die ganz hohe Schule der Feminizide. Denn er bringt IHM oft noch beiläufig ökonomische, unverdiente Gewinne. ER verfügt in aller Regel über hohe Überlegenheit und weit überdurchschnittliche Intelligenz.

Mein persönlicher ökonomischer Feminizid verlief so:

Ich war immer die berühmte Ausnahme. Beruflich engagiert. Leistungsfrau. Gut verdienend. Keine Babypause, um nicht mit Kind und Kegel wirtschaftlich und sozial abzustürzen. Rabenmutter. (Diesen Ausdruck gibt es nur im deutschen Patriachat. Sinnbefreit, denn Raben sind gute Eltern.) Ich hielt mich für emanzipiert und eigenständig als ich IHN als langjährige Alleinerziehende ab Schwangerschaft kennenlernte: den angehenden Universitätsprofessor. Damals stand ich am Anfang einer vielversprechenden Karriere. Mehr als 90 Prozent der alleinerziehenden Mütter verdienten deutlich weniger als ich.

Nach einiger Zeit sprach er von einer gefestigten Bindung, von Ehe und gemeinsamer, möglichst lebenlanger Zukunft. Er bat mich, mit ihm ein Haus nahe seiner künftigen Universität, die ihn verbeamtete, zu erwerben und damit Nägel mit Köpfen für einen Start in ein gemeinsames, schönes Leben zu schlagen.

Nichts sprach dagegen. Ich verkaufte mein Haus, es wurde eine hochwertige Immobilie gemeinsam erworben. Mit nur einer Bewerbung hatte ich einen neuen Job in der Tasche, der mit über 100.000 DM pro Jahr vergütet wurde. Auch meinem Sohn gefielen all diese Veränderungen sehr. Es fiel ihm leicht, sich von seinen alten Freunden und Schulkameraden mit 9 Jahren zu trennen und aus seiner Sicht weit weg zu ziehen.

Was ich nicht ahnte: Ich war Stellvertreterin. Für seine Mutter, die er regelrecht hasste. Für seine Ex-Frau, die ihn mit Kleinkind verlassen hatte und ich weiß nicht, für wen vielleicht sonst noch.

Vom ersten Tag im schönen, neuen Haus verweigerte er jede Normalität wie gemeinsame Mahlzeiten oder Unternehmungen. Mal schwieg er wochenlang. Mal suchte er grundlos Streit. Sein Verhalten war mir ein Rätsel. Es kam wie vor, als wolle er meinen Sohn, meinen Hund und mich bewegen, ihn zu verlassen. Solche Gedanken kamen mir jedoch abwegig vor, denn niemand erwirbt doch teure, grosse Häuser, um sich zu trennen. Oder doch?

Er verlangte Geld als ich durch eine Erbschaft liquider war als er. In kurzer Zeit erhielt er 5.000 DM und 10.000 DM als Scheckzahlungen. Wenige Wochen später überraschte er mich mit der Aussage, er habe sich 10.000 DM von meinem Konto auf seines überwiesen. Meinen Geburtstag überging er jedoch, nicht ohne mir mitzuteilen, dass er seinem Bruder einen Tag vorher zu dessen Geburtstag gratuliert habe.

Nachdem ich ihm erklärte, es gäbe definitiv keine weiteren finanziellen Spritzen mehr von mir an ihn, spielte er wenige Tage später nach einer tagelangen Schweigephase den Beziehungsgewalttäter. Bis heute kann ich nicht festmachen, weswegen ich nicht angenommen habe, dass er mich wirklich körperlich angehen wollte, sondern den Eindruck hatte, er tut nur so als ob, er spielt das. Vielleicht deswegen, weil er nicht wütend war. Eher kalkulierend. Jemand, der schlägt, der körperlich übergriffig wird, den treibt nach meiner Vorstellung Wut an. Was er hingegen veranstaltete, wirkte auf mich konstruiert.

Dennoch waren Grenzen überschritten, die ich glaubte, sichern zu müssen. Deshalb schaltete ich die Polizei ein und erstattete auch Strafanzeige. Mit meinem Sohn als Zeugen. (Wurde wegen nichtöffentlichen Interesses als Lapalie eingestellt.)

Nun ließ der Mann der Katze aus dem Sack. „Du gehst meinetwegen zur Polizei? - Ich trenne mich von Dir! Das Haus lasse ich teilungsversteigern!“

Umgehend traf sein Bruder als juristischer Beistand für ihn ein. Er bat um ein 4-Augen-Gespräch und erklärte mir, man sei bereit, mich mit 10.000 EUR abzufinden, wenn ich meine Hälfte dafür überschreiben ließe. Alternativ mache man mich fertig.

Der Vorschlag war ungeheuerlich und wurde von mir nicht akzeptiert. Ich bin keine Frau, die sich leicht einschüchtern lässt und beauftragte meinerseits eine Anwältin mit der Wahrnehmng meiner Interessen. Dabei fühlte ich mich sicher. Wir standen beide auf finanziell besten Füßen. Jeder konnte es sich leisten, den anderen auszuzahlen. Jeder hatte eine glänzende Zukunft vor sich.

Ich wurde eines anderen belehrt. Der Mann ging dazu über, gegenüber meinem Sohn psychisch übergriffig zu werden, bis das Kind (vorher Klassenbester) keine schulischen Leistungen mehr erbrachte und aus Scham wenige Wochen später (nachdem der Professor seine Geburtstagsfeier mit Schulfreunden geschmissen hatte und auch eine abholende Nachbarin verbal attackiert hatte (alles strafrechtlich nicht relevant, aber hochwirksam)) die Schule ganz verweigerte. Mir erschien es als bester Weg nach Rücksprache mit seiner ehemaligen Grundschullehrerin den Sohn als Gastschüler in seiner alten, 90 km entfernten Grundschule unterzubringen, in seine vertrauten, guten, soziale Kreise zu reintegrieren und uns eine Wohnung in der alten Heimat suchen zu lassen. Wenige Wochen später lebten wir in einer kleinen Mietwohnung in OWL. Meine Wohnkosten betrugen nun 2.500 DM für monatliche Hypotheken für ein halbes Haus, das ich nicht bewohnte, und ca. 900 DM incl. aller Nebenkosten für die Mietwohnung.

Nun war allen klar, dass er beabsichtigte, mich finanziell auszubluten. Ich sollte in einem von ihm angestrebten Teilungsversteigerungsverfahren nicht mitbieten können. Auch Drittinteressenten schreckte er nach Kräften dadurch ab, dass er als Alleinbewohner Haus und Garten verwahrlosen liess. U.a. erfuhr ich erst aus dem Gerichtsgutachten, dass es im Eingangsbereich der Diele einen unbekannten Wasserschaden gab (Fotos von meterhohen Schimmelpilzwänden im Haus, das noch kurz zuvor 600.000 DM gekostet hatte. Meine Versuche, den Schaden, der Versicherungsschaden sein musste, beheben zu lassen, schlugen fehl. Die Versicherungspolice lief auf ihn und er verweigerte der Versicherung seine Unterschrift zur Schadensabwicklung. (Ursprünglich hatte die Versicherung uns gebeten, dass wir uns auf einen Versicherungsnehmer einigen. Ihn oder mich.) Klar, dass er jegliche gütliche Teilung, Auszahlung des einen oder des anderen wie auch freihändigen Verkauf verweigerte. Ich stellte einen Käufer, machte das Angebot ihn auszuzahlen oder mich auszahlen zu lassen. Vergeblich.

Meinen Job konnte ich nicht halten. Als alleinerziehende Mutter konnte ich nicht täglich knapp 200 km pendeln. Mit dem Stress der gerichtlichen Auseinandersetzungen war sogar an Arbeit überhaupt nicht zu denken. Stattdessen lief ich von Pontius bis Pilatus, um zu erfahren, wer mir in dieser Situation beistehen oder helfen könnte. Ich erfuhr, niemand. Niemand war zuständig. Es war meine reine Privatangelegenheit. Ein Staatsanwalt meinte: „Ihr Irrtum war und ist, dass Sie glauben, in einem Rechtsstaat zu leben. Tatsächlich leben Sie in einem Rechtsmittelstaat. Ihr ehemaliger Partner stammt aus einer juristischen Familie, ist juristisch hochversiert, verfügt über einen engagierten Bruder als Rechtsanwalt. Die machen Sie fertig. Legal.“

Lange Rede, kurzer Sinn. Obwohl ich den Preis in der Teilungsversteigerung unerwartet doch noch hochpokern konnte, er erwartungsgemäß zu einem angemessenen Preis Alleineigentümer wurde, wurde mein Anteil innerhalb von weiteren 2,5 Jahren nicht ausgezahlt. Auch nicht teilweise. Die Gerichte verschleppten die Verfahren in der Art und Weise, dass seine Vorträge, bzw. die seines Bruders überbewertet und meine anwaltlichen Ausführungen unterbewertet wurden. Speziell wurde mir als ich soweit ausgeblutet war, dass ich auf PKH angewiesen war, diese nicht im ersten Zug bewilligt. Ich konnte Anwaltsrechnungen nicht bezahlen und musste versuchen, die PKW-Anträge selbst durch alle Instanzen zu bringen. Aussichtslos, wenn man sich nicht gut auskennt und die Gegenseite, familiär anwaltlich vertreten, mit größtem Engagement versucht, PKW gegen besseres Wissen zu verhindern.

Eine Reintegration in das Berufsleben wurde ebenfalls von Jahr zu Jahr aussichtsloser. Auf der einen Seite überqualifiziert, auf der anderen Seite ungeeignet, weil ich ja offenbar nicht einmal mein eigenes Vermögen schützen konnte.

Mein ökonomischer Feminizid war genau betrachtet ein ökonomischer Suizid. Gut 5 Jahre nach der Trennung, nach sinnlos bezahlten Hypothekenverpflichtungen von 75.000 DM (ab Auszug aus dem Haus) und 25.000 DM verschwendeten Anwaltshonoraren rief ich meine beide Anwälte an, alle Akten zu schließen. Ich konnte nicht mehr und war nicht länger bereit, auch nur einen einzigen juristischen Schritt zu gehen.

Damit war ich ökonomisch endgültig erledigt und gesundheitlich erheblich angeschlagen.

Mit letzter Kraft sorgte ich dafür, dass meinem Sohn eine gute Zukunft gesichert wurde. Ein mögliches neues Leben für mich selbst vertagte ich im Wesentlichen auf die Zeit, wenn er beruflich auf eigenen Füßen stehen würde.

Mein Sohn absolvierte ein 1ser-Abitur, studierte Humanmedizin und ist heute Mediziner in der Schweiz. Ich fühle mich heute von ihm abhängig.

Nach diesem ökonomischen Feminizid/Suizid beziehe ich heute eine kleine Rente unter Armutsniveau. Teilhabe nach meinen Interessen und Bedürfnissen ist mir davon nicht möglich. Wirtschaftliche Augenhöhe mit Wegegefährten erst recht nicht. Es bleibt mir einzig und allein heute, dafür zu arbeiten, dass sich Verhältnisse für Mütter ändern, dass auch ökonomische Feminizide nicht mehr so leicht möglich sind und von Behörden, Gerichten sowie Gesellschaft noch unterstützt werden.

Als besonders schikanös und belastend erleb(t)e ich das hohe Maß an Schadenfreude gerade von Frauen (wer Karriere macht, hoch hinaus will, kann tief fallen), die Vorstellung von gleichaltrigen oder sogar wesentlich älteren Männern, nun müsse meine Anpassungsfähigkeit an ihre Vorstellungen erheblich gestiegen sein, weil sie mir nun relativ betrachtet, richtig was bieten können mit Häusern, Gärten, guten Altersversorgungen, obwohl sie mir intellektuell oft nicht das Wasser reichen können und die Erkenntnis, besser nie berufliche Ambitionen entwickelt zu haben. Als wenig qualifizierte Frau wäre vielleicht auch ich den Weg gegangen, einen tüchtigen Ehemann zu finden und im Alter das abgesicherte Leben einer lustigen Witwe zu führen.

Leider habe ich ein realitätsfernes Mädchengymnasium besucht, auf dem die ständige Gehirnwäsche durchgeführt wurde, wir Mädels seien gleichberechtigt. Hustekuchen. Das belegt nicht nur mein ökonomischer Feminizid oder Suizid überdeutlich. (Viele meiner Mitschülerinnen sind als vermeintlich Gleichberechtigte gescheitert oder in wirtschaftliche Probleme geraten, vor allem wenn sie alleine geblieben sind, in der falschen Vorstellung, als Frau/Mutter ja gleichberechtigt zu sein und auf Partnerschaft nicht unbedingt angewiesen zu sein. Manch einer ist auch die typische Altersdiskriminierung von Frauen ab ca. 50 Jahren zum Verhängnis geworden.)

Mein fiktiver Gesamtschaden beträgt übrigens ca. 3.000.000 EUR. Es gibt keine Hinweise darauf, dass ich selbst meine Karriere abgebrochen hätte. Mit meinem vernünftigen, bodenständigen Lebensstil würde ich heute über Haus, sichere Geldanlagen und manches mehr und in ca. 5 Jahren über eine gute, auskömmliche Altersversorgung verfügen.

Viele weibliche Opfer begehen übrigens früher oder später Suizid. Berühmtestes Beispiel ist Susanne Preusker, die Gefängnispychologin, die im Job 7 Stunden vergewaltigt wurde. Sie hat es nicht geschafft, ein neues Leben aufzubauen. Über die Schikanen als weibliches Opfer berichtet regelmäßig auch Natascha Kampusch. Sie erfährt immer wieder Haßattacken, vor allem aus den sozialen Medien und im Internet allgemein: Ihr Fehler: sie wurde als Kind ! von einem Mann verschleppt und jahrelang gefangen gehalten. Wer ist auch in diesem Verbrechen gegen alle objektiven Erkenntnisse unglaubwürdig: sie!

Das mittelalterliche Patriarchat (Männer und Frauen) verbrannte seine Hexen. Das heutige Patriarchat (Männer und Frauen) verbannt seine Hexen und Opfer, oft ohne sich selbst die Hände zu beschmutzen.

P.S. Abgerundet wird meine „Gleichberechtigung als Mutter“, meine besten Zeugnisse (1ser-Abschluss kaufm. Lehre, viersemestrige Fortbildung zur Betriebswirtin (staatl. geprüft)), beste Arbeitgeberzeugnisse, Gehälter von 4.500 DM für 30-Wochenstunden (ca. 1992), 7.000 DM für Vollzeit (1995), über 8.000 DM (1997)) durch Kürzung der Mütterrente (wegen Ausfall der Babypause) und erhöhtem Krankenversicherungbeitrag (wegen kurzzeitiger privater Krankenversicherung, in der krisenbehaftesten Zeit war ich zeitweise gar nicht krankenversichert). Insgesamt fällt meine Nettorente deswegen noch einmal niedriger aus.

P.S.: Anfang der Nullerjahre rief mich eine Frau namens Maria an. Krankenschwester aus Telgte. Sie gab sich als neue Expartnerin des Universitätsprofessors aus. Diese Angaben hielt ich für glaubhaft, weil sie einiges über die Tochter des Professors erzählen konnte und offensichtlich das Haus gut kannte. Sie fühlte sich ebenfalls übervorteilt. Bevor er sich von ihr trennte, habe er sie auf das Übelste vergewaltigt. Sie habe nicht so viel Geld verloren wie ich. Aber immerhin 5stellig. Sie habe Anzeige wegen Vergewaltigung erstattet. Das Verfahren sei eingestellt worden, weil Aussage gegen Aussage stand. Sie wollte von mir wissen, ob er auch mich vergewaltigt hätte. Das habe ich verneint. Sie war nach wie vor sehr geschockt, sich derartig in einem Mann getäuscht zu haben. 

 

 


+++ Hinter nahezu jedem armen Kind steht eine - meistens - noch ärmere Mutter! +++ Kinderarmut ist Mütterarmut (Prof. Dr. Christoph Butterwegge) ++++