Probl. Kindesinobhutnahmen - Zwischenergebnis

+++ wir sagen: MothersToo / gegen Mütterarmut ! +++ +++ Coronabedingt müssen wir unser Engagement leider bis auf weiteres aussetzen +++

Dr. Wolfgang Hammer, Soziologe und ehemaliger Abteilungsleiter eines Jugendamtes,  ließ uns am 15.12.2020 folgende Information zukommen:

 

An

Verteiler Fachebene Bund
Verteiler Politik
Verteiler Presse/Medien

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Deutschen Bundestages ,
Sehr geehrte Damen und Herren
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor einigen Wochen hatte ich Ihnen meine Fallstudie über 42 Fälle problematischer Kinderschutz - Fallverläufe zugesendet, in denen alleinerziehenden Müttern ohne dem Vorwurf der Vernachlässigung oder von Gewalt die Kinder entzogen wurden oder eine Fremdunterbringung zumindest geplant war

Zwischenzeitlich hatte ich Sie über erste Rückmeldungen informiert.

Nunmehr möchte ein erstes Zwischenresümee ziehen , denn ich habe inzwischen weitere 223 Rückmeldungen ( Stand 15.12. ) erhalten und täglich kommen weitere hinzu.

Zwischenbericht

1. Resonanz der Medien

Nach der Erstberichterstattung und Kommentierung in der TAZ folgten WELT AM SONNTAG , FOCUS Online und diverse Nachrichtenagenturen, mehrere Rundfunkinterviews ( zuletzt heute am 15.12. im RBB - Hörfunk ) und eine Produktion für das NDR 3 Fernnsehen ( Hamburg Journal ).
Weitere Beiträge in überregionalen Printmedien und in Fernsehmagazinen sind angekündigt.
Dabei ist hervorzuheben, dass die Journalistinnen und Journalisten neben meiner Studie als Quelle auch eigene Recherchen angestellt und Hintergrundgespräche geführt haben. Die Studie und die Medienberichterstattung dazu sind inzwischen auf einer Reihe von Internetseiten unterschiedlicher Institutionen veröffentlicht und finden durchgängig bestätigende Resonanz.

 

2. Resonanz von Betroffenen und Betroffenen - Zusammenschlüssen

Ca. zwei Drittel der Rückmeldungen kommen von Betroffenen und deren Zusammensammenschlüssen. Dabei gibt es sowohl eine Bestätigung der Grundmuster als auch neue Aspekte.

> alle neuen Rückmelddungen bestätigen das Grundmuster einer Trennung von Müttern und Kindern wegen zu enger Mutter - Kind - Bindung ohne den Vorwurf von Gewalt oder Vernachlässigung, die häufig als Symbiotische Beziehung definiert werden.

> Viele Frauen kritisieren die Haltung und mangelnde Kompetenz der sie vertretenden AnwältInnen und VerfahrenspflegerInnen. So habe ich in den letzten Wochen über 20 Müttern und ihren AnwältInnen relevante Urteile des Bundesverfassungsgericht zukommen lassen, die zum Teil in laufenden Verfahren vorgetragen wurden und in einigen Fällen zum Erfolg geführt haben

> alle gemeldeten Beschwerdefälle betreffen ausschliesslich alleinerziehende Frauen

> die Rückmeldungen kommen inzwischen aus allen 16 Bundesländern und auch aus Österreich.

> die Internet - Seiten von Zusammenschlüssen u.a. von " Mütterarmut ist peinlich "( mother tool ) erhalten bundesweite Resonanz mit vergleichbaren Fallschilderungen.
Zugleich berichten die Organisationen, dass sie schon lange eine Zunahme von Meldungen über so begründete Inobhutnahmen erhalten und bisher mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen wurden.
Die Anzahl der Meldungen bei den Zusammenschlüssen von Betroffenen gehen über die mir vorliegenden Meldungen weit hinaus. Die Anbieter der Plattformen sprechen von Rekordmeldungen.

3. Resonanz von Fachleuten und Institutionen.

Ca ein Drittel der Rückmeldungen kommt von Fachleuten der Kinder-und Jugendhilfe , Freien Trägern , Rechtsanwältinnen , FamilenrichterInnen, VerfahrensbeiständInnen, ÄrztInnen und Kinder-und JugendpsychologInnen/Psychiatern. Die Rückmeldungen der RechtsanwältInnen werden nachfolgend gesondert dargestellt.

Wesentliche Ergebnisse sind :

> Inbesondere KInderÄrztinnen und KinderpsychologInnen bestätigen ihnen bekannte Fälle, wo Kinder aus liebevollen Mutter - Kind - Beziehungen in Obhut genommen wurden und bei Rückkehr erhebliche Entwicklungsrückstände und z.T. Taumatisierungen aufwiesen.

> die Ombudsstelle in Scheswig - Holstein , die auf Beschluss des Landtages eingerichtet wurde, berichtet über zunehmende Beschwerden über problematische Inobhutnahmen. Eine Zusammenarbeit wurde verabredet.

> Frau Cordula Wilcke, Beraterin bei der Ombudsstelle in Görlitz und Sachverständige bei der Anhörung der Kinderkommission des Deutschen Bundestags, berichtet über gut 1400 ungerechtfertigte Inobhutnahmen, die nach dortiger Erfahrung als Standardmittel bei Scheidung und Trennung eingesetzt werden. Frau Wilcke ist ala Beraterin einer Selbsthilfegruupe von Müttern tätig.

> FamilienrichterInnen und VerfahrenspflegerInnen berichten über angestrebte oder vollzogene inobhutnahmen aufgrund zu enger Mutter - Kind - Beziehungen

> der Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter VAMF berichtet über zunehmende Probleme und hat mich gebeten, die Ergebnisse meiner Fallstudie und die aktuellen Rückmeldungen dazu in der Fachzeitschrift des VAMV im Januar 2020 zu veröffentlichen.

> Ebenso werden die Ergebnisse der Studie im Blickpunkt dem Fachorgan des Verbands Privater Anbieter der Kinder -und Jugendhilfe ( VPK ) veröffentlicht.

> zum Vorwurf der zu engen Bindung von Müttern und Kindern insbesondere zur Zuschreibung einer Symbiotischen Mutter - Kind - Beziehung äussern sich ExpertInnen der Kinder-und Jugendpsychiatrie öffentlch in den Printmedien eindeutig :

- eine symbiotische Eltern - Kind- Beziehung ist äusserst selten und würde bei den Kinder schwere
Entwicklungsstörungen zur Folge haben.
- solte sie tatsächlich vorliegen, wäre eine plötzliche Trennung hochgradig kindeswohlgefährdend

4. Resonanz von AnwältInnen

12 Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen haben mir mitgeteilt, dass sie Mütter mit ähnlichen Problemen vertreten oder vertreten haben. Sie berichten, dass ihre Bezugnahme auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgericht bei den jeweiligen Jugendämtern so gut wie keine Auswirkung hat und zT. auch bei den Familiengerichten und Verfahrenspflegern nur unzureichend präsent ist.
Des weitern wird berichtet, dass insbesondere manche Jugendämter die Mütter unter Druck setzen, sich von ihren AnwältInnen zu trennen, wenn sie ihre Kinder wieder bekommen wollen. So sind mir in drei Fällen Schreiben von Jugendämtern zur Kenntnis gelangt, in denen diese Drohung auch schrftlich ausgesprochen wurde.


5.Kooperation mit dem Institut für Kinder-und Jugendhilfe ( IKJ ) in Mainz

Am 9.12. hat es auf Initiative des IKJ ( Prof. Macsenaere, Frau Feist- Ortmans ) in Hamburg einen ersten sehr konstruktiven Austausch gegeben. Dabei standen meine Erfahrungen und Einschätzungen und die aktuellen Rückmeldungen im Vordergrund , da die Untersuchungsergebnisse des IKJ zur Projekt " Problematische KInderschutzverläufe "noch nicht vorlagen.
Wir haben eine verstärkte Kooperation bei der Aufarbeitung verabredet.

 

6.Fazit


> Auch die zahlreichen neuen Rückmeldungen lassen noch keine Schlussfolgerungen über den tatsächichen Verbreitungsgrad ungerechtfertigter Inobhutnahmen und Fremdunterbringungen in Deutschland zu.
Nimmt man allerdings die über 400 Melddungen die inzwischen bei mir und die in die Tausende gehenden Meldungen bei Ombudsstellen und Sellbsthilfegruppen u.s.w. hinzu , muss von einem beachtlichen Verbreitungsgrad ausgegangen werden.

> die Zuschreibung einer zu engen Mutter - Kind - Beziehung als Begründung für eine Inobhutnahme mit sich wiederholenden standartisierten Begründungen einer Symbiotischen Beziehungung ist relativ neu und lässt eine gemeinsame fachliche/ideologische Quelle vermuten. Viele Betroffene aber auch Fachleute aus Psychologie., Kinder-und Jugendhilfe und Justiz sehen hier einen Zusammenhang mit der in Deutschland aktuell verbreiteten Zuschreibung des sogenannten Elterlichen Entfremdungssyndroms und seiner Zulassung als Beweismittel. Quelle ist das in den USA konstruierte PAS ( Parental Allenation Syndrome ), das international fachlich hoch umstritten ist und deshalb in England , Wales und Kanada nicht mehr als Beweismittel zugelassen ist.

> da so gut wie keine Beschwerden von Paaren über ungerechtfertigte Inobhutnahmen voliegen, muss die besondere Belastung der Alleinerziehenden Frauen und der Umgang mit Ihnen bei Jugendämtern und Gerichten neu justiert werden

>alleinerziehende Frauen und Kinder haben im Konfliktfall mitunter keine Chance ihre Rechte nach Art. 6 Grundgesetz und der UN Kinderrechts - Konvention durchzusetzen.

> ungerechtfertigte Inobhutnahmen sind Kindeswohlgefährdungen mit erheblichen Schädigungen der Kinder


7.Was bleibt offen ?

Forschungsbedarfe :

> Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Steigerung von Inobhutnahmen ( zuletzt 2018 um bundesweit um 10 % ) und der Zuschreibung einer symbiotischen Mutter-Kind - Beziehung ?

> Welchen Einfluss haben Kinderschutzkonzepte die den Schwerpunkt auf der Vermeidung von zu späten Inobhutnahmen legen ?
Hier sollte an der Ergebnissen der Hamburger Enquetekommission angesetzt werden.

> Welchen Einfluss hat die hohe Bürokratisierung von Vorgaben und Kontrollen in den Jugendämtern auf einen fachlichen Aushandlungsprozess zwischen Jugendamt und Eltern

> Welche Hilfestellungen brauchen Alleinerziehende und welche werden Ihnen angeboten ?

> Welchen Einfluss hat der Abbau von alltagsentlastenden Hilfen für Eltern und Kinder in den Kommunen ?


8. Was schnell geschehen sollte :

> eine gesetzliche Regelung zur verbindlichen Schaffung unabhängiger leistungsfähiger Ombusstellen ist dringend erforderlich. Zuvor solllte ein Bundesprogramm mit einer 50 % igen anteiligen Bundesförderung aufgelegt werden, aus dem in einem ersten Schritt mindestens eine leistungsfähige Ombudsstelle in jedem Bundesland gefördert wird.

> Einrichtung einer Enquetekommission durch den Deutschen Bundestag mit begrenzten Auftrag

> Schaffung einer Beauftragtenstelle für Kinderechte auf Bundesebene u.a. mit der Aufgabe eines Monitoring zur Umsetzung der UN - Kinderrechtskonvention .
Hier sollte auf den Ergebnissen des Kinderrechte - Index des DKHW aufgesetzt werden.

 

 

Mit freundlichen Grüßen


Dr. Wolfgang Hammer

 

 

 

+++ Hinter nahezu jedem armen Kind steht eine - meistens - noch ärmere Mutter! +++ Kinderarmut ist Mütterarmut (Prof. Dr. Christoph Butterwegge) ++++ +++ Coronabedingt müssen wir unser Engagement leider bis auf weiteres aussetzen +++